Jerusalem

Jerusalem und Tel Aviv sind zwei Paar Schuhe. Während die Hauptstadt es geschafft hat, den Anschluß an moderne Zeiten zu bekommen, geht es hier konservativer zu. Man pflegt die Traditionen und ein Transsexueller wie Dana International würde hier schätzungsweise gepfählt. Die „Stimme Satans“ nennen die Orthodoxen Israels heißesten Popexport geringschätzig. In Jerusalem sind die orthodoxen Juden allgegenwärtig, nirgends im heiligen Land prägen sie derart das Straßenbild wie hier. Und auch sonst ist vieles anders in Jerusalem...
 

FREIKÖRPERKULTUR

NO SHORTS!Eine der größten Überraschungen im heiligen Land war die Erkenntnis, daß die Israelis wahre Freikörperkultur-Fanatiker sind. Doch nicht nur an den Stränden von Tel Aviv und Elat streckt man der unglaublich heißen Wüstensonne die obligatorisch bahren Leiber entgegen. Selbst an den sogenannten „holy places“ bestehen die Israelis – wie diese Inschrift aus den Zeiten Jesu beweist – noch heute auf "unten ohne". Am Eingang der heiligen Besichtigungsstätte sammeln Uniformierte die überflüssigen Kleidungstücke ein. Auf dem Rückweg kann man seine Textilien dann an gleicher Stelle wieder abholen.

 

KLAGEN IST IM KOLLEKTIV AM SCHÖNSTEN

Klagen erwünschtVor die Klagemauer (die in Israel im übrigen Westmauer genannt wird, der Begriff Klagemauer ist verpöhnt) hat der Herr die Sicherheitskontrolle gestellt. Seit den brachialen Bombenattentaten vor einigen Jahren, ist das größte Heiligtum der Juden bewacht wie hierzulande höchstens Flughäfen. Schwer bewaffnete Beamte schauen in jeden Rucksack, in jede Fototasche. Anschließend geht man durch einen Rahmen, der jeden metallenen Gegenstand mit einem penetranten Piepton meldet.
Die Mauer selber ist dann in zwei Sektionen unterteilt: links klagen die Männer, rechts die Frauen. Überall in den Mauerritzen stecken papierne Zettel, auf die Gläubige aus aller Welt ihre Wünsche und Bitten an den Herrn im Himmel notiert haben. Doch auch hier hinterläßt die Moderne durchaus ihre Spuren: Seit einiger Zeit kann man seine Bitten auch via e-mail an das Religionsministerium senden. Von dort aus werden sie dann zuverlässig weitergeleitet. Mehr Infos dazu unter http://www.virtual.co.il.

 

HINTEN IST VORNE

Klagen mit BüchernWer es vorzieht nicht elektropostalisch, sondern direkt mit dem Heiland zu kommunizieren, kann das natürlich auch tun. Auf einem Tisch liegen Gebetsbücher, die man unentgeldlich entleihen kann. Der Blick auf die Lesenden verursacht nur einen kurzen Moment Verwirrung, dann fällt es einem wieder ein: Hebräisch liest man von links nach rechts, und demzufolge auch von hinten nach vorne. Ach, wie sehr es doch bildet, das Reisen!

 

JESUS BUILT MY HOTROT

Jesus lebt!In Jerusalem wird viel über Glauben respektive Religion diskutiert. „Was hältst du eigentlich vom Judentum“ wißbegierte beispielsweise eine Schwäbin in Fransenrock und den obligatorischen Jesuslatschen. Eine Frage, vor der man nur die Flucht nach vorn antreten kann (gleiches gilt wohl für die Frau). In den Straßen trifft man Pilgergruppen, die mit geschultertem riesigem Holzkreuz den Leidensweg Jesu abwandern. „Jeder nur ein Kreuz“ möchte man ihnen zurufen und stopft sich selbst statt dessen das Schandmaul mit ein oder zwei süßen Baklawa. Der Prediger auf diesem Bild übt sich im Zwiegespräch mit zwei jungen, belustigt wirkenden Einheimischen. In seinem Koffer trägt er aufklärerische Schriften spazieren, die er in englisch und hebräisch Passanten auf der Straße aufdrängt. Seine Message ist die gleiche, die die amerikanische Band Ministry bereits vor einigen Jahren zu einem Song verarbeitet hat. Sie lautet: Jesus built my Hotrot.

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