See Genezareth

Jesus hat das geschafft, was Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf knappe 2000 Jahre später nicht gelang: Er wandelte über das Wasser und zwar über jenes des See Genezareth (hebräisch: Kinneret). Viele Touristen kommen tagtäglich, um ihre Tauglichkeit als Heiland und Wasserläufer am Originalschauplatz zu überprüfen. Die meisten scheitern ähnlich kläglich wie das rothaarige Mädchen mit den abstehenden Zöpfen.
 

FRUCHTBAR

FruchtbarNeben den unruhigen politischen Verhältnissen in und um Israel ist die Wasserknappheit im heiligen Land eines der größten Probleme. „Save water – we’re in a desert zone“ baten die Schilder im Gemeinschaftsbad unserer Tel Aviver Herberge. In dem kargen Wüstenland bildet der See Genezareth das größte Süßwasserreservoir. Etwa ein viertel des gesamten israelischen Wasserverbrauchs können durch Wasser aus dem See Genezareth gedeckt werden. Für den Rest muß man sich was anderes einfallen lassen. So soll es zum Beispiel Pläne geben, in einen regen Wasserhandel mit der Türkei einzusteigen.

 

FORD – DIE TUN WAS

SchrottautoWährend unseres mehrtägigen Stops am See Genezareth wohnen wir in einem von Ameisenstraßen durchzogenen fensterlosen Appartement in Tiberias. Der Ort am See offenbart sich ganz anders, als er vor Ankunft in unseren Köpfen herumspukte. Tiberias ist weder klein, noch beschaulich oder gar zauberhaft altmodisch. Vielmehr hat der Ort einiges von einem mediterranen Ramba-Zamba-Badeort. Riesige Hotelklötze verrotten halbfertiggestellt im Ortskern. Sperrmüll oder nicht mehr fahrtüchtige Autos werden im eigenen Garten entsorgt. Am Ufer des Sees lockt eine Filiale des Burgerriesen Mc Donalds, gleich daneben ein Shopping-Center inklusive lärmender Video-Game-Hölle. Who cares? Uns gefällt es.
Abends, wenn die teuflische Sonne verschwunden ist, veranstalten wir Picknicke auf einem hölzernen Steg, der in den See hinein führt und lauschen der ewig gleichen Musik aus dem nahen Café. Wahrscheinlich wird dort noch heute jeden Abend der selbe Tonträger durchgenudelt. Was soll’s? Alphavilles „Big in Japan“ mochte ich schon immer.

 

STACHELN IM DRAHT

StacheldrahtVon Tiberias aus starten wir zu einer organisierten Bustour in den hügeligen Norden von Israel. Dort, wo die Grenzen zu Syrien und dem Libanon nicht viel weiter als einen Steinwurf entfernt sind, sieht man die Spuren der bewaffneten Auseinandersetzungen mit den ungeliebten Nachbarn ziemlich deutlich. Wir passieren verlassene Dörfer. Rechts und links der Straße ist bündelweise Stacheldraht verlegt, Schilder warnen vor „vermintem Gelände“. Mitten auf freiem Feld steht ein Panzer.

 

GRENZGÄNGER

Grenze%20zu%20Libanon„Dort drüben beginnt schon der Libanon“ erklärt unser israelischer Reiseleiter. Mehrere Mitreisende posieren zwischen den beiden Flaggen. Während wir in Gedanken bei den Zeitungsmeldungen sind, die wenige Tage zuvor von israelischen Flugzeugen über dem Libanon berichteten, versucht unser Guide seinen touristischen Schutzbefohlenen die politischen Zusammenhänge und Ereignisse in dieser krisengeschüttelten Region des Landes zu erklären. Er selbst war Bomberpilot im 6-Tage-Krieg. Als wir später mit dem Bus das Dorf, in dem er mit seiner Familie lebt, passieren, gibt er beinahe stolz zu Protokoll, daß dort „in den letzten Jahren nur 2 Menschen umgekommen seien“.

 

Einleitung Bethlehem Tel Aviv
See Genezareth Jerusalem Totes Meer
Haifa Jordanien / Petra Essen & Trinken