Jeder Israel-Reisende muß zum Toten Meer. Wir auch. Der tiefst gelegene wie
salzhaltigste See der Erde dümpelt mitten in einem wüstig-felsigen Niemandsland vor sich
hin. Bis auf wenige Kurhotels (das Wasser hilft bei Hautproblemen!) und Anlagen zur
Salzgewinnung ist die Gegend beinahe unzivilisiert. Das andere Ufer des Sees gehört
bereits zu Jordanien. Dort wie hier ist Vegetation absolute Fehlanzeige. Dennoch sehen wir
vom Bus aus immer wieder Nomadengruppen, die in Gesellschaft einiger Tiere in
zeltähnlichen Unterkünften leben.
In Ein Gedi lebt die Wüste. Die Flüsse Nahal David und Nahal
Arugot führen reichlich Wasser und haben so inmitten der grau-braunen Ödnis eine grüne
Oase geschaffen, in der Palmen, Akazien und Sodomsapfelbäume gedeihen. In dem schmalen
fruchtbaren Streifen haben sich jede Menge Tiere niedergelassen. Die meisten bekommt der
gemeine Tourist jedoch nicht zu Gesicht (zum Beispiel die Wüstenleoparden, von denen es
hier noch einige wenige Exemplare geben soll). Und so muß sich das reiselustige Volk dann
mit dem 20 Meter hohen Wasserfall begnügen. Das herrlich kühle Wasser stürzt in ein
Felsbecken, das zum Baden freigegeben ist und einem das Gefühl gibt man befinde sich in
der blauen Lagune. |
So oder ganz ähnlich muß es in der Schwerelosigkeit sein.
Man schwebt in der lauwarmen Salzsuppe herum und muß lediglich aufpassen, daß die
Flüssigkeit nicht in die Augen gelangt, was ziemlich unangenehm werden kann. Mein Begleiter, der in normalen Gewässern nur einige Meter weit schwimmen kann, weigert sich einige Stunden lang beharrlich, wieder an Land zu kommen. Statt dessen wirft er sich in Jesuspose und befiehlt mir in wenig erlösermäßigem Manier: Los, mach ein Foto von mir. Ich gebe mich als braves Weib, nehme die Knipskiste und banne den weiter hinten schwimmenden dicken Mann mit Hut gleich mit auf Zelluloid. |
Die Versorgungslage in der Wüste ist nicht die beste. Als wir
abends vom Salsbaden kommen, hat die Kantine unserer Jugendherberge, die die einzige
Futterkrippe im näheren Umkreis darstellt, bereits geschlossen. Lediglich einige
Schokoriegel kann man noch für reichlich Geld erwerben. Trotzdem entschädigt die Nacht
in der Wüste für einiges. Von unserer Terasse aus blicken wir auf den See und als die
letzten Busse und LKWs auf der unbeleuchteten Uferstraße vorbei gebrummt sind, tritt eine
Stille ein, wie sie Großstadtmenschen aus der westlichen Welt nur selten erleben. |